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1 Mai 2007
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In der Episode Them der US-Serie The Walking Dead ist Trauerbewältigung ein zentrales Motiv. Nach den jüngsten Ereignissen müssen einige Figuren mit schweren Verlusten umgehen. Das tun sie auf unterschiedliche Art und Weise.

Im Zentrum der neuen „The Walking Dead“-Episode Them steht diesmal die gesamte große Gruppe der Überlebenden. Der Fokus liegt dabei vor allem auf Maggie (Lauren Cohan), Sasha (Sonequa Martin) und Daryl (Norman Reedus), die die Verluste von Beth (Emily Kinney) respektive Tyreese (Chad Coleman) verarbeiten müssen.

Maggie lässt ihen Emotionen relativ freien Lauf. Sie weint viel, ist aber dennoch im Überlebensmodus: Einen sich nähernden Beißer schaltet sie - wenn auch maschinengleich - aus. Daryl lässt ein wenig das Tier im Mann heraus, gräbt sich Würmer zum Verspeisen aus und versucht ansonsten, sich von der Gruppe zu isolieren. Carol (Melissa McBride) bietet ihm oft ihre Begleitung an, wenn er sich mal wieder einsam auf Wasser- und Nahrungssuche macht, während der Rest der Gruppe auf dem letzten Loch pfeift. Sasha versucht, trotz des Todes ihres Bruders Stärke zu beweisen. So will sie sich etwa den Untoten, die der Gruppe mit etwas Distanz folgen, entledigen. Noch sind es 60 Meilen bis zum Ziel Washington, D.C. Doch schafft es die Gruppe dorthin? Nicht nur die Nahrungsmittel sind knapp, auch das Benzin neigt sich dem Ende, sodass man schon bald wieder zu Fuß weiter muss.

Drei Wochen seit Atlanta

Inzwischen sind drei Wochen seit dem Vorfall in Atlanta vergangen. Drei Wochen ohne feste Unterkunft, drei Wochen, in denen die Gruppe gerade so über die Runden kommt und Glück hat, dass ihr keine andere große Gruppe über den Weg gelaufen ist. Drei Wochen übrigens auch, in denen Baby Judith wahrscheinlich deutlich zu wenig zu essen bekommen hat - von den Windeln brauchen wir hier kaum zu reden. Während Daryl Rick an einer Stelle dazu animiert, seine Tochter zu füttern, wiegelt der zunächst ab. Daryl hat sich inzwischen zum Nahrungsbeschaffer entwickelt, der sich davonstiehlt, um abseits vom üblichen Weg nach Essen, Trinken oder Unterkünften zu schauen. Er nutzt die Einsamkeit auch, um seine Gefühle zum Ausdruck bringen. Das durchschaut Carol. Sie reicht ihm Beths altes Messer, gibt zu Protokoll, dass Beth das Leben beider gerettet hat und rät Daryl, seiner Trauer freien Lauf zu lassen. Schließlich küsst sie ihn auf die Stirn.

Carl (Chandler Riggs) hat unterdessen eine Spieluhr gefunden, die er Maggie überreicht, um sie aufzumuntern. Zwar funktioniert die Uhr nicht einwandfrei - doch die Geste zählt. Gabriel (Seth Gilliam) versucht mit einer Anekdote über altertürmliche Oberbekleidung für Geistliche bei Maggie durchzudringen und will ihr sein offenes Ohr anbieten. Ihren Glauben hat sie vor geraumer Zeit schon verloren, spätestens jedoch seit dem Tod des Vaters Hershels und der Schwester Beth. Zudem wirft Maggie Gabriel Versagen vor, was seine Glaubensgemeinschaft angeht. Auch für Gabriel ist es nicht einfach, in so einer Situation an seinen Erlöser zu glauben.

Als die Gruppe eine kleine Brücke erreicht, wird es Zeit, die Walker loszuwerden. Der Plan ist es, dem direkten Kampf aus dem Weg zu gehen und die Untoten in die Grube zu schubsen. Doch Sasha ist auf Krawall gebürstet und beginnt damit, sie abzuschlachten. So viel also zum Thema Kraft sparen. Michonne (Danai Gurira) versucht mehrfach, Sasha zu beruhigen, doch so einfach ist das nicht: Sie ist zu ungestüm und erwischt sogar Abraham (Michael Cudlitz) leicht mit dem Messer, während sie versucht, die Untoten zu killen. Daryl rettet derweil Rick vor einem Biss - zum x-ten Mal.

Licht am Ende das Horizonts

Ein paar liegengebliebene Autos geben kurzzeitig Hoffnung auf einen fahrbaren Untersatz oder Verpflegung, doch die Suche ist vergeblich. Maggie findet im Kofferraum einen weiblichen Walker, der gefesselt und geknebelt ist. Die Figur soll wohl Maggie selbst widerspiegeln und zeigen, wie es in ihr aussieht. Statt diesen Walker zu töten, schließt sie den Kofferraum wieder zu und kriegt ihn vorerst nicht wieder auf. Erst Glenn (Steven Yeun) kann hier Abhilfe schaffen. Er verhindert, dass sie eine Kugel verschwendet und weitere Untote anlockt, und entledigt sich des Walkers.

Das Einzige, was ansatzweise verwertbar ist, ist eine Flasche Alkohol, die Abraham sich gönnt, auch wenn Rosita (Christian Serratos) zurecht bemerkt, dass das alles nur schlimmer machen könnte. Eugene meldet sich ebenfalls zu Wort: Abraham sei ein Erwachsener, der weiß, was er tut. Prompt tauchen einige wilde Hunde auf.

„Who let the dogs out?“ aka „In Amerika essen sie Hunde“

Sind die Vierbeiner Vorboten der Wolf-Gang, die in der vorherigen Episode angedeutet wurde? Beweise gibt es dafür jedenfalls nicht, außer vielleicht die Hundemarken. Bevor die Kläffer zur Gefahr werden können, erschießt sie Sasha, deren Reaktionszeit merklich schneller ist als die der restlichen, erschöpften Gruppe. Das Opfer soll nicht umsonst sein und kommt für die Hungrigen genau zum rechten Zeitpunkt. Manches Gruppenmitglied nimmt das Mahl dankbar an. Noah (Tyler James Williams) jedoch hat durchaus Probleme damit - er weiß nicht, ob er das Leben auf den harten Straßen dieser Welt überstehen wird. Er versucht auf seine Art, Sasha zu danken, da sich ihr Bruder für ihn geopfert hat. Doch sie gibt ihm den Rat, nicht zu denken, sondern zu essen. Auch Gabriel wird wieder an eine neue Grenze geführt: Er verbrennt seinen Römerkragen im Feuer und beißt dann kräftig ins Hundefleisch. Die Gruppe ist zwar noch nicht zum Kannibalismus übergegangen, doch weit ist sie davon vielleicht gar nicht mehr entfernt.

Glenn kümmert sich derweil darum, dass seine Weggefährten genug zu trinken haben. Doch Maggie weigert sich zu trinken, weil sie sich Vorwürfe macht, sich nicht mehr Gedanken um Beth gemacht zu haben. Sie selbst ist des Kämpfens ein wenig müde.

Ähnliches gilt für Daryl, der sich erneut von der Gruppe trennt, sich rauchend an einen Baum lehnt und seine Tränen kullern lässt. Nebenbei drückt er knallhart den Glimmstängel auf seinem Handrücken aus. Die Schmerzsymbolik kommt in dieser Episode auf jeden Fall nicht zu kurz. Sasha ist nach außen hin von allen Trauernden die stärkste, sie lehnt Abrahams Alkohol ab und bleibt stattdessen lieber wachsam.

Wasser Morgana

Fast schon wie eine Fata Morgana in der Wüste wirkt das mitten auf der Straße abgestellte, abgefüllte Wasser, das die Gruppe vor die Frage stellt, woher es kommt und ob man es trinken sollte. Eugene opfert sich freiwillig und will es probieren, doch Abraham schlägt es ihm aus der Hand, womit klar sein sollte, dass das Band zwischen den beiden noch nicht zerschnitten ist und Abraham ihn weiter - oder besser gesagt: wieder - schützt. Am Ende der Episode könnte jemand auftauchen, der das Wasser dort abgestellt hat.

Nebenher braut sich ein Donnerwetter zusammen, was alle außer Daryl, Maggie, Sasha und Gabriel zunächst freut, weil sie so eine längst überfällige Dusche und Abkühlung sowie etwas Trinkwasser bekommen. Doch schon bald wird deutlich, dass man es nicht mit einem harmlosen Gewitter zu tun hat, sondern dass sich ein ordentlicher Sturm zusammenbraut. Zum Glück - und wie der Serienzufall es so will - hat Daryl bei seinem Streunen eine Scheune gefunden, wohin sich die Gruppe nun verziehen kann, um das Gewitter auszusitzen.

Durch den Monsun

Maggie gehört zur Gruppe, die schaut, ob der Schuppen sicher ist, findet dort eine Bibel und eine weitere zombifizierte Frau, die sie diesmal allerdings ohne langes Zögern ausschalten kann. Carol kommt hinzu und stellt fest, dass die Person durchgehalten und sich nicht selbst gerichtet hat, obwohl sie eine Waffe hatte. Vielmehr hat sie sich entschieden, zu kämpfen - wie die Mitglieder der Gruppe. Carol als ultimative Überlebende, die im Lauf der Serie schon einiges über sich ergehen lassen musste, ist sehr passend für diese Botschaft gewählt.

Wunderschön an dieser Episode ist außerdem die brüderlicher Liebe, die Carl Judith spendet. Ob es nun beim Sturm ist, als er sie mit seinem Cowboyhut schützt, oder im Schuppen, als sie in seinen Armen schläft. Süßer geht es in der Zombie-Apocalypse wohl kaum.

Man könnte für die Gruppe wohl so eine Art Hoffnungsdiagramm erstellen, bei dem Michonne wohl ganz weit vorne wäre, während Maggie aktuell mit Daryl, Gabriel und Abraham um die hinteren Plätze streiten müsste.

Rick, der sich wohl irgendwo im Mittelfeld befindet, versucht die Situation mit einer Geschichte über seinen Großvater, einen Soldaten im Zweiten Weltkrieg, zu entspannen. Dieser wollte ihm nie erzählen, ob er Deutsche umgebracht hat. Was er Rick jedoch mitgab: Im feindlichen Gebiet stellte er sich immer tot, um sich zu motivieren. Parallel zum Opa also soll die Gruppe nun Mut fassen, um weiterhim zu überleben. Rick will, dass die Gruppenmitglieder sich als „The Walking Dead“ bezeichnen, was Daryl wohl in seiner aktuellen Verfassung ein wenig anders sieht. Die Ansprache ist in der Comicvorlage (in abgewandelter Form) eine Art Wendepunkt für die Gruppe - ähnlich könnte es auch in der TV-Serie ablaufen. Wir werden sehen.

In der Hochphase des Sturms muss sich die Gruppe nicht nur um das Wetter sorgen, sondern auch um eine größere Ansammlung von Untoten. Zunächst entdeckt sie Daryl, der sich mit seiner bloßen Muskelkraft bemüht, sie draußen zu halten. Bald jedoch kommen auch Maggie, Sasha und der Rest der Gruppe, inklusive Carl, dazu. Mit aller Kraft gelingt es, die Beißer vom Eindringen abzuhalten und eine Mütze Schlaf zu kriegen.

Am nächsten Morgen unterhalten sich dann die trauernden drei. Daryl hat die Spieluhr repariert, während Maggie und Sasha sich die Nachwirkungen des Sturms zu Gemüte führen, wobei klar wird, was für ein Glück die Gruppe hatte, diesen Schuppen als Unterschlupf zu haben. Untote sind nämlich unter Bäumen begraben, an diesen aufgespießt oder sonst wie zerfetzt worden. Ein Schicksal, das sonst vielleicht unseren Überlebenden geblüht hätte. Gemeinsam schauen sich Maggie und Sasha den Sonnenaufgang an und genießen einen neuen Tag und eine neue Chance. Nur die Spieluhr will nicht so recht.

Den Moment der Entspannung durchbricht ein Fremder, der sich als Aaron (Ross Marquand) vorstellt und mit dem Anführer sprechen möchte. Diesen kann er als Rick identifizieren, was nicht nur bei den beiden Damen für Verwunderung sorgt. Jedenfalls verspricht er gute Neuigkeiten, was wundersamerweise auch dazu führt, dass die Spieluhr zu musizieren beginnt. Ob die Gruppe dem Fremden vertraut oder ihn durch die Mangel nimmt, wird sich zeigen. Doch im Prinzip kann es nur besser werden, als obdachlos zu sein und Hunde essen zu müssen.

Abschließend eine kleine Bitte: Liebe Comicleser, bitte spoilt den Nicht-Lesern nicht etwaige Handlungsfortsetzungen - und wenn ihr den Drang dazu verspürt, dann nutzt die Spoiler-Tags. Andernfalls sehe ich mich gezwungen, zum Schutz der Leser löschend einzugreifen.

Fazit
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Szenenfoto aus der Episode „Them“ der US-Serie „The Walking Dead“
© AMC​

Konnte man zuvor bemängeln, dass das Timing der Vorgänger-Episode nicht gestimmt hat und besser mit dieser zehnten hätte getauscht werden sollen, steht nun die Intention der Autoren fest. Man wollte eine Bindung zwischen gewissen Figuren schaffen, ihr Innenleben und ihren seelischen Tumult zeigen und die Gruppe noch etwas tiefer in den Schlamassel reiten, ehe man ihnen ein Stückchen Hoffnung gibt.

Geprägt ist die Episode dabei durch den einen oder anderen glücklichen Zufall. Wäre Daryl etwa nicht wieder allein losgezogen, hätte er die rettende Hüte nie gefunden, und die Gruppe wäre wohl nur noch ein Schatten ihrer selbst. Und auch der Umstand, dass die Hunde in dem Moment kamen, als man so nötig Nahrung brauchte, ist ein sehr glücklicher. Dazu kommen einige leicht pathetische Momente (die Spieluhr, die plötzlich spielt), was aber durch süße Momente wie Carols Kuss auf Daryls Stirn und Carls Bruderliebe zu Judith wieder aufgewogen wird.

Insgesamt ist diese Episode in meinen Augen minimal schwächer als der Vorgänger. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele das langsame Tempo, vor allem in der ersten Hälfte, wieder verdammen werden. Für die Charakterisierung der Figuren halte ich das jedoch für gut.

Quelle: Review The Walking Dead 5x10: Them - Lebende Tote